

Birkenfeld ist eine Stadt mit beachtlicher künstlerischer Tradition, die über die Jahrhunderte bedeutende Persönlichkeiten auf den Gebieten der Bildenden Kunst hervorgebracht hat. Ein breites Spektrum an Stilen, Techniken und Kunstgattungen – zu keiner Zeit gab es einen geschlossenen Kreis bildender Künstler, eine Birkenfelder Schule – zeichnet die Werke der Kunstschaffenden in der Malerstadt der Naheregion aus. Dabei handelt es sich um Künstlerinnen und Künstler, die aus Birkenfeld stammen, aber auch um Zugereiste, die hier ihre Wirkungsstätte fanden.
Im 17. Jahrhundert waren dies beispielsweise Theodor Roos (1638-1687) und Johann Georg Engisch (1668-1742). Roos gilt als einer der angesehensten Porträtisten seiner Zeit. Seit 1657 arbeitete er u.a. für den Fürstenhof zu Birkenfeld. Engisch war ebenfalls Hofmaler am pfalzgräflichen Hof zu Birkenfeld, aber auch zahlreiche Kirchen in der Wild- und Rheingrafschaft und der Grafschaft Sponheim wurden von ihm malerisch gestaltet. Am örtlichen Gymnasium lehrte zwischen 1849 bis 1862 der Zeichner, Maler und Schmuckentwerfer Conrad Wießner (1796-1865). Während dieser Zeit schuf er zahlreiche Ansichten des Nahelandes, die sein Sohn Friedrich in Stahlstiche und Lithografien umsetzte. 1862 erschien in Carl Wießners Birkenfelder Verlag die 28 Stiche umfassende Mappe „Das malerische und romantische Nahetal nach der Natur gezeichnet und die Rhein-Nahe-Eisenbahn“. Carl Ludwig Frommel (1798-1863) wurde in Birkenfeld geboren und verbrachte als Sohn des badischen Landbaumeisters Wilhelm Frommel, der ihn im Zeichnen unterrichtete, auf Schloss Birkenfeld seine Kindheit. Gemeinsam mit dem Engländer Henry Winkle gründete er in Karlsruhe 1835 das erste Stahlstich-Atelier in Deutschland. Bekannt wurde Frommel, der neben der Werkstatt auch die Kunsthalle Karlsruhe leitete, mit seinen romantischen Landschaftsdarstellungen, beispielsweise den „Sechs Ansichten aus dem Naheland“ oder „Die malerische, romantische Pfalz“. Auch Emil Volkers (1831-1905) stammt aus Birkenfeld, wo er in unmittelbarer Nachbarschaft zur örtlichen Postkutschenstation seine Vorliebe für Pferde entwickelnte, die als Rassen- und in Landschafts- und Feldzugdarstellungen zum alles überragenden Motiv seiner Malerei wurden. Seit 1869 arbeitete Volkers vornehmlich in Rumänien, das 1970 und 1972 Sonderbriefmarken mit Motiven des Bukarester Hofmalers herausgab. Julius Langer (1834-1904) unterrichtete, wie Conrad Wießner, mehrere Jahre als Zeichenlehrer am Birkenfelder Gymnasium. Neben seinen klassisch akademischen Landschaftsbildern und Porträts setzte sich Langer auch mit dem neu aufgekommenen Medium der Fotografie auseinander. Der in Birkenfeld geborene Christian Warth (1836-1890), Leiter der Mettlacher Kunstschule von Villeroy & Boch und auf Weltausstellungen wiederholt mit Goldmedaillen ausgezeichnet, zählt zu den einflussreichsten und stilprägendsten Steingutmodelleuren des 19. Jahrhunderts. Seine dekorativen Objekte wie Krüge, Teller und Vasen sind heute weltweit gesuchte Sammlerstücke. Der Sohn des Birkenfelder Bürgermeisters Ludwig Eissel, Wilhelm Eissel (1845-1908), überzeugte nicht nur als Maler und Buchillustrator, sondern wurde vom französischen Staat auch wegen seiner überragenden Steinschneidekunst ausgezeichnet. Hugo Zang (1858-1946), der im ausgehenden 19. und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Birkenfeld lebte und arbeitete, hinterließ ein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Werk. Seine Motive sind Porträts, Landschaftsdarstellungen und Stillleben und stilistisch klassisch akademisch, ansatzweise impressionistisch geprägt. Aufgrund der mäzenatenhaften Verbindung der Birkenfelder zu ihrem Maler befindet sich der überwiegende Teil der Zang’schen Bilder noch heute in Privatbesitz. Auch der in Birkenfeld geborene Emil Cartharius (1859-1885) war ein hochbegabter Porträtist. Da er bereits 26jährig verstarb, ist sein Oeuvre klein. Einer der herausragendsten Birkenfelder Maler des 20. Jahrhunderts ist Edvard Frank (1909-1972). Zwischen 1964 bis 1957 erlebte er in Birkenfeld seine produktivste und entwicklungsstärkste Zeit. Als Vertreter der so genannten „Verschollenen Generation“ schuf er Aquarelle und Zeichnungen, die sich motivisch und stilistisch, ausgehend von den idealen Proportionen der menschlichen Figur, zwischen Mythos und Moderne bewegen. Das umfangreiche Werk des mit Frank befreundeten Heinz Webeler (1921-2008) zeigt demgegenüber eine Vielfältigkeit malerischer Stile und Techniken. Webeler, der seit 1935 in Birkenfeld lebte, unterrichtete als Kunstlehrer am örtlichen Gymnasium und in seinem Atelier. Darüber hinaus führte eine Galerie.
Auch heute noch ist die Birkenfelder Kunstszene vielfältig und in den unterschiedlichsten künstlerischen Medien aktiv. Dafür steht beispielsweise der Kunstverein Obere Nahe mit seinen Gruppen „Bildende Kunst“, „Fotografie“, „Literatur“ und „Musik“. Innerhalb der Gruppe „Bildende Kunst“ wirken aktuell 20 Mitglieder. Zu deren künstlerischen Ausrichtungen gehören druckgrafische und zeichnerische Techniken, Öl- und Acrylmalerei, Materialbilder, Bildhauerei in Holz und Stein sowie Arbeiten in Bronze und Ton. Exemplarisch sei Ilse Wild-Kussler (*1924), die von ihren Vereinskollegen als „Grand Dame der Malerei“ verehrt wird, vorgestellt. Unter dem Einfluss von Max Rupp entwickelte Wild-Kussler eine abstrakte, jedoch nie gegenstandslose Malerei. Ihre großformatigen Bilder zeigen auch technisch in der Zusammenführung von Malerei, Collage und anderen Materialien eine unverwechselbare Handschrift.
Andere zeitgenössische Birkenfelder Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Christian Hinz (*1964) (Bildhauerei und Fotografie), Petra Warrass (*1970) (Fotografie und Videoarbeiten), Verena Hahn (*1977) (Zeichnungen, Objekte, Installationen, Forschungen) oder Dirk Rausch (*1975) (Druckgrafik) haben ihre Wirkungsstätten außerhalb der Heimatstadt gewählt und sind deutschlandweit, aber auch international aktiv.