
Unter dem Titel „Das Schweigen der Sirenen“ (in Anlehnung an Kafkas Erzählung) zeigt das Maler-Zang-Haus vom 9. Juni bis 11. August Arbeiten auf Papier, Malerei und Objekte von Matthias Glässer.
Der Künstler wurde 1970 in Birkenfeld geboren und lebt und arbeitet heute in Leisel (Landkreis Birkenfeld, Rheinland-Pfalz). Er arbeitet im Bereich Malerei und künstlerische Forschung, wobei er für die Entwicklung seiner Werke wissenschaftliche Erkenntnisse nutzt. Themen wie Ökologie und Nachhaltigkeit sind für ihn Inspiration und gleichzeitig Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung.
Vor diesem Hintergrund entstand beispielsweise die großformatige Bilderserie „Amor und Psyche“, die wissenschaftlichen Versuchsreichen gleicht. Für Glässer lautet die Ausgangsfrage: „Was wäre, wenn Kunst unseren Lebensraum bioaktiv verändern könnte? Würde dabei eine neue hybride Visualität erzeugt?“
Im Schaffensprozess finden die Methoden kalkulierter Zerstörung, systematischer Reduktion und experimenteller Neukombination Anwendung. Dabei wird, durch das Aufbringen biologischer Substanzen (Aminosäuren), eine neue hybride Visualität erzeugt. Auf molekularer Ebene wird die Raumluft in ihrer Zusammensetzung in einem nicht sichtbaren Prozess verändert. Über das Bildmotiv hinaus und gewissermaßen unabhängig davon schafft Glässer eine neue außeroptische Dimension, die unweigerlich auf den Raum und den darin befindlichen Betrachter wirkt.
Auch wenn „Natur“ als Bildgegenstand in den Arbeiten nur eingeschränkt wahrnehmbar ist, so spielt sie doch eine wesentliche Rolle bei der Ausformung des künstlerischen Konzeptes. In seinen malerischen Arbeiten spiegelt Glässer auf diese Weise die Gesetze des Lebendigen wider, ohne dabei zwangsläufig auf visuelle Erfahrungen zurückzugreifen. Wachstumsprozesse der Natur werden thematisiert, indem sie auf den Schaffensprozess projiziert werden. Die Bilder werden damit selbst zum Naturprozess.
In ähnlicher Weise funktionieren Glässers Arbeiten auf Papier und auch seine Objekte. Sein Thema ist immer wieder die Verwandlung – vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Denkprozesse, natürlicher Zerfallsprozesse oder rein bildnerischer Prozesse – die, auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirksam, beim Betrachter Irritation auslöst.
Glässer will neugierig machen, neue Impulse im Denken und Fühlen erzeugen, verinnerlichte Verhaltensmuster und festgefahrene Denkgewohnheiten aufbrechen.
Glässers Arbeiten waren bislang in Ausstellungen beispielsweise in Baden-Baden, Frankfurt am Main, Trier und zuletzt in Schöppingen im Rahmen des KWW (Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft) Residenzstipendiums mit Förderung und in Kooperation mit dem Ministerpräsidenten des Landes NRW in der Kunststiftung Künstlerdorf Schöppingen zu sehen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft mit Text von Denise Essig (5 Euro), das am Sonntag, 30. Juni bei Kaffee und Kuchen vorgestellt wird (um Anmeldung wird gebeten, Tel. 06782-15734).
www.glaesser.wordpress.com
